Wir haben bewusst mit unserer Stellungnahme gewartet, um der Geschäftsleitung Gelegenheit zu geben, auf die in den Medien genannten Vorwürfe zu reagieren.

Zuallererst möchten wir zum Ausdruck bringen, dass wir den „Shitstorm“ in diversen Foren, allen voran auf der Facebook-Seite von Amazon verurteilen und ablehnen. Wir distanzieren uns ebenfalls von etwaigen Boykottaufrufen und sehen es mit Sorge, dass Kunden ihre Konten bei uns löschen. Ein Boykott hätte keine Verbesserung der Lage der bei Amazon Beschäftigten, egal ob Leiharbeiter oder Direktangestellte, zur Folge, sondern würde den psychischen Druck auf diese erhöhen und Angst um den Arbeitsplatz schüren. Deshalb fordern wir die Menschen dazu auf, anstatt sich an einem Boykott zu beteiligen, unsere Online-Petition für bessere Arbeitsbedingungen bei Amazon – und zwar für alle Mitarbeiter/innen – zu unterzeichnen. Bisher haben sich mehr als 30.000 Menschen für Amazon, als wichtiges Unternehmen in Deutschland ausgesprochen und dementsprechend gefordert, dass man seiner Verantwortung gerecht werden müsse. Die Petition findet Ihr unter

http://www.change.org/de/Petitionen/amazon-deutschland-verbessern-sie-die-arbeitsbedingungen-ihrer-leiharbeiter.

Wir weisen ganz klar die Vorwürfe von uns, die aktuelle Berichterstattung wäre eine von ver.di inszenierte Kampagne gegen Amazon. Presse-Kampagnen sind nicht Teil unserer gegenwärtigen Strategie und wir sind nicht gegen Amazon. Im Gegenteil, wir haben ein großes Interesse daran, dass das Erfolgsmodell Amazon auch weiterhin erfolgreich bleibt. Bei Fragen oder Zweifeln diesbezüglich könnt Ihr Euch jederzeit an unsere Vertrauensleute wenden.

Wir hoffen von Herzen, dass Amazon die Krise möglichst bald überstanden hat und aus den Fehlern lernt. Da sind wir jetzt alle in der Verantwortung: Die Geschäftsleitung, der Betriebsrat, wir als Betriebsgruppe und jede/r einzelne Kolleg/in.

Es hat uns erleichtert zu erfahren, dass Amazon die Zusammenarbeit mit den ebenfalls in die Kritik geratenen Subunternehmen beendet und sich hier seiner Mitverantwortung gestellt hat.

Im All Hands wurde allerdings leider nur oberflächlich auf die konkreten Vorwürfe eingegangen, während die Art und Weise der Berichterstattung im Mittelpunkt stand. Um das Thema ein für alle Mal vom Tisch zu bekommen ist unserer Meinung nach jetzt eine lückenlose Aufklärung der Vorwürfe nötig. Die Kolleg/innen haben das Recht zu erfahren, was konkret an den einzelnen Vorwürfen dran ist und wie die Geschäftsleitung darauf reagiert hat.

Für uns ergeben sich noch viele offene Fragen, die wir gerne von der Geschäftsleitung beantwortet hätten. Die Fragen findet Ihr am Ende dieses Beitrages. Wir bitten das Management uns diese Fragen öffentlich zu beantworten, damit für jede/n  Kolleg/in ersichtlich ist, was an dem ARD Beitrag gelogen oder übertrieben sein soll, was stimmt und wie reagiert wurde. Nur so können wir uns ein objektives Bild verschaffen.

Wir sind der Meinung, ohne die ehrliche Beantwortung dieser Fragen kann von Aufarbeitung keine Rede sein und hoffen, die Geschäftsleitung wird die Vorwürfe ein für alle Mal entkräften. Auch wenn wir es grundsätzlich lieber sähen, dass Menschen direkt bei Amazon beschäftigt sind, so wird sich der Einsatz von Leiharbeit auch in Zukunft im Saisongeschäft nicht verhindern lassen. Umso wichtiger ist es, dass faire Bedingungen für die Leiharbeiter/innen geschaffen werden, z. B. in Form von gleicher Bezahlung für gleiche Arbeit. Wir rufen die Geschäftsleitung und den Betriebsrat dazu auf, entsprechende Regelungen zu schaffen und schriftlich festzulegen.

Allen Amazonies sagen wir: KOPF HOCH UND LASST EUCH NICHT UNTERKRIEGEN!

FRAGENKATALOG:

  1. Wurde den spanischen Kolleg/innen vor Ort suggeriert, sie bekämen eine Direktanstellung und wurde dort über die Höhe des Lohnes informiert?
  2. Haben die spanischen Kolleg/innen vorher erfahren, dass sie nicht direkt bei Amazon, sondern bei einer Leiharbeitsfirma tätig sein würden? Wenn ja, mit welcher Vorlaufzeit haben sie es erfahren? Wurden sie vorher über den Lohnunterschied informiert?
  3. Wurde sichergestellt, dass die Kolleg/innen die Verträge, die sie unterzeichnen inhaltlich verstehen? Wurde den Kolleg/innen eine Übersetzung des Arbeitsvertrages vor Unterzeichnung vorgelegt?
  4. Wurde den Kolleg/innen die Unterkunft + Verpflegung vom Lohn abgezogen? Wenn ja, wieviel?
  5. Wussten die Kolleg/innen vorher wie und zu welchen Bedingungen sie untergebracht und zum Arbeitsplatz gebracht werden?
  6. Wie  verlief die Rekrutierung der polnischen Kolleg/innen bezüglich der o. g. 5 Fragen?
  7. Was hat die nachträgliche Untersuchung bezüglich der Überbelegung von Unterkünften ergeben?  In wie vielen Fällen gab es tatsächlich eine Überbelegung und wie sind diese zustande gekommen? Wusste man vorher nicht, wie viele Leiharbeitnehmer kommen würden und konnte man somit nicht genau planen?
  8. Entspricht es der Wahrheit, dass die Busse regelmäßig überfüllt waren? Wurden hier generell oder in Einzelfällen rechtliche Bestimmungen missachtet? Wurden Kolleg/innen von der Security genötigt in überfüllte Busse einzusteigen?
  9. Haben die Leiharbeitnehmer/innen Ihren Lohn immer pünktlich bekommen?
  10. Wurde die Firma H.E.S.S. Security direkt von Amazon beauftragt und gab es Kompetenzüberschreitungen seitens dieser Firma?
  11. Welche Beschwerden sind wann zur Geschäftsleitung gedrungen und was hat man zu welchem Zeitpunkt unternommen, um Abhilfe zu schaffen?
  12. Gab es vor dem Erscheinen des ARD-Berichtes Anfragen seitens der Presse und wenn ja, was genau wurde angefragt? Wieso wurde nicht reagiert?
  13. Wenn man zeitnah wusste, dass man im Focus der Presse stehen wird, wieso wurde seitens Amazon nicht frühzeitig eine Erklärung zum Thema abgegeben und darauf hingewiesen, dass etliche der Probleme bereits gelöst wurden?
  14. Gibt es bisher messbare wirtschaftliche Auswirkungen der Affäre auf Amazon Deutschland? Gibt es z. B. einen signifikanten Rückgang bei den Bestellungen? Wie hoch ist der Umfang der gekündigten Konten, bei denen sich die Kündigung auf den Beitrag bezieht?
  15. Wenn der Beitrag teilweise erfunden ist und die Prinzipien der Pressefreiheit hier für eine geschäftsschädigende Kampagne missbraucht wurden, wieso klagt Amazon von der ARD keine Gegendarstellung bzw. bei wirtschaftlichem Schaden Schadenersatz ein?
  16. Was gedenkt man außer der Kündigung der Subunternehmen zu tun, um mögliche Fehler beim Umgang mit Leiharbeitnehmer/innen künftig von vornherein zu vermeiden?
  17. Wird Amazon sich verpflichten, den Leiharbeiter/innen „Equal Pay“, also gleiche Bezahlung für gleiche Arbeit, zuzusichern?