Der weltweit größte Onlinehändler Amazon dient vielen Firmen als Vorbild, daher schaut die Konkurrenz genau hin wie das Unternehmen agiert. An welcher Stelle lässt sich sparen und was für eine Wirkung hat man auf andere Unternehmen, sind dabei die Fragen, die es zu beantworten gilt.


Einzelhändler Karstadt wird Logistiker

Ein Punkt bei der Reduzierung von Ausgaben, ist die Kosten für das Personal zu minimieren. Den Weg den Amazon dabei für sich in Anspruch nimmt, kopieren nun allmählich auch andere Unternehmen, wie z.B. Karstadt. Genau wie beim Onlinehändler will der angeschlagene Großkonzern seine neueingestellten Mitarbeiter nach den niedrigeren Löhnen aus der Logistikbranche bezahlen. Nach Verhandlungen mit dem Betriebsrat und der Gewerkschaft Verdi konnte dieses Konzept in Teilen aber noch einmal verhindert werden. Arbeitsdirektor Müllenbach von Karstadt spricht in diesem Artikel von einer freiwilligen Eingruppierung in diesen Sektor. Wie freiwillig diese Eingruppierung in der Praxis letztendlich ist, bleibt abzuwarten, denn im Alltag kann Druck auf den Einzelnen ausgeübt werden.

Die Geschäftsleitung des Karstadt-Konzerns plante zunächst knapp 2800 Stellen streichen zu wollen. Durch Verhandlungen mit dem Betriebsrat und der Gewerkschaft Verdi konnte diese Zahl zumindest abgemildert werden, so dass „nur“ 1400 Mitarbeiter gehen müssen. Betriebsrat und Gewerkschaft wollen nun mit der Konzernführung eine Transfergesellschaft einrichten, um die Mitarbeiter abzufangen, die von den Kündigungen betroffen sind. Angestellte, die sich in einer Transfergesellschaft befinden, sind nicht arbeitslos und haben Anspruch auf Weiterbildungsmaßnahmen. Sie verdienen dabei ca. zwei Drittel ihres letzten Gehalts. Im Falle, dass sie kein neues Anstellungsverhältnis finden, bleibt ihr Anspruch auf das Arbeitslosengeld bestehen. Ideal ist das selbstverständlich nicht, aber diese Vorgehensweise bietet zumindest bessere Chancen sich vor Arbeitslosigkeit zu schützen.

Sollte es auch bei Amazon einmal zu einem Stellenabbau kommen, ist die Möglichkeit einer Transfergesellschaft nicht gegeben, da hierfür die Voraussetzungen fehlen. Die Konzernleitung lehnt weiterhin jedwede Gespräche mit Gewerkschaften ab, den einzigen Partnern also, mit denen man eine Transfergesellschaft gründen kann.


Die DHL senkt die Löhne

Auch bei Firmen, die nicht mit Amazon konkurrieren, lassen sich Strukturen in der Personalpolitik erkennen, die denen des amerikanischen Unternehmens gleichen. Gemeint ist hier die DHL, welche die Zustellung, der von Amazon versendeten Waren, übernimmt. Mit der Gründung der DHL Delivery GmbH im November 2014 sollen in den nächsten Jahren 10.000 bis 20.000 neue Stellen geschaffen werden. Gleichzeitig sollen diese Stellen schlechter bezahlt werden, als Vergleichbare bei der DHL. Bei der Bezahlung orientiert man sich an der Logistikbranche. Der Haustarifvertrag für die Angestellten der Deutschen Post AG soll demnach nicht für Mitarbeiter der neugegründeten Tochtergesellschaft gelten.

Mit diesem System der Tochtergesellschaften soll an dieser Stelle versucht werden bestehende tarifliche Regelungen zu unterwandern. Daher muss man ganz klar von einer Tarifflucht sprechen. Arbeitnehmer, die neueingestellt werden, kommen automatisch in die neugegründete Gesellschaft.

Nun wirbt die Post AG mit den neugeschaffenen Stellen. Der Bedarf an neuen Mitarbeitern ist demnach gegeben, aber nicht der Wille soziale Verantwortung zu übernehmen und gleiche Tätigkeiten gleich zu entlohnen. Die freien Stellen mit Mitarbeitern zu besetzen ist kein Geniestreich der Personalverantwortlichen bei der Post, sondern einfach der wirtschaftlichen Situation im Land geschuldet. Bei hoher Arbeitslosigkeit findet man neue Mitarbeiter einfacher.

Da die Bezahlung höher als ALG I bzw. II ist und auch noch über dem Mindestlohn liegt, wird sich der Protest der Neueingestellten wohl in Grenzen halten. Für unsere Gesellschaft ist aber ein Rückschritt auszumachen. Laut Aussage von Post Chef Appel zahlt die Post doppelt so hohe Löhne wie die Konkurrenz. Anstatt sich jedoch dafür einzusetzen diese Lücke von unter her zu schließen, sprich die Löhne der Konkurrenzfirmen anzuheben, entschließt man sich für den umgekehrten Weg und senkt die eigenen Löhne lieber ab. Flächendeckende Tarifabschlüsse würden dieser Praxis Einhalt gebieten, denn diese senden immer ein positives Signal aus. Diese strahlen über die eigene Branche hinaus, wie die Tarifverhandlungen der IG Metall gezeigt haben.


Kein Vorbild für andere

Diese beiden Beispiele von Karstadt und DHL zeigen, dass Strategien von Amazon übernommen werden, um zu sparen und konkurrenzfähig mit anderen Wettbewerbern zu bleiben. Hier wird am falschen Ende gespart. Denn wer auch in Zukunft wettbewerbsfähig bleiben will, wird das nicht mit schlecht bezahlten Mitarbeitern erreichen können, sondern nur mit gutbezahlten, die dann motiviert sind neue, innovative Ideen ins Unternehmen einfließen zu lassen. Statt anderen Firmen vorzumachen, wie man bei den Lohnansprüchen der Mitarbeiter sparen kann, sollte Amazon seine Außenwirkung darauf verwenden als Vorbild voranzugehen und wegweisende Tarifverhandlungen aufnehmen.


Crissy

Anregungen, Meinungen und weitere Informationen:
Facebook: Crissy Libertas
Twitter: @CrissyLibertas

Dieser Artikel wurde bisher nicht kommentiert.
Diesen Artikel kommentieren >>
(C) 2014 ver.di - Fachbereich Handelzuletzt aktualisiert: 22.06.2016