Amazon bedient sich verschiedener Mittel im Arbeitsalltag, um sich eine Reihe von „Ja-Sagern“ heranzuziehen, die keine kritische Haltung zum Unternehmen einnehmen und die nur das unreflektiert widergeben, was ihnen von höherer Position vorgesagt wurde.


Selbstdarstellung in der Öffentlichkeit

Davon sind aber nicht nur Level 1-Mitarbeiter, also die einfachen Versandmitarbeiter, betroffen. Ebenso die unteren Führungsebenen, wie Lead oder Area-Management, bilden hierfür keine Ausnahme. Ein Einsatz dieser Führungskräfte zum Wohle der gesamten ihnen unterstellten Belegschaft wird nicht gewünscht, da meist mit Kosten verbunden, die sich nicht öffentlichkeitswirksam vermarkten lassen. Lieber werden von Amazon Festivitäten veranstaltet, von denen man Fotos mit glücklichen Menschen an die Presse weitergeben kann. Würde man sich dieses Geld sparen, könnte man es für die tägliche Arbeitserleichterung einsetzen. Allerdings gibt es dafür keine Aufmerksamkeit außerhalb Amazons.

Wie in meinem Artikel zur grenzenlosen Überwachung bereits angedeutet, wurde ein Video bzw. eine Reportage in Leipzig gedreht. Dafür wurden auch Stimmen der Mitarbeiter eingefangen. Dabei gingen jedoch nicht die Reporter willkürlich auf Personen zu, sondern es wurden vom Management ganz gezielt Mitarbeiter ausgesucht, die sich nicht kritisch zum Unternehmen vor der Kamera äußern würden. Kritische Stimmen sind nicht gern gesehen.

Unter diesem Gesichtspunkt ist auch die Abfindung zu verstehen, die Amazon zu zahlen bereit ist, wenn man das Unternehmen verlässt. Kritiker und selbstständig Denkende sollen so aus dem Unternehmen manövriert werden. Sicherlich ein verlockendes Angebot, für all diejenigen, die unzufrieden sind, aber eine erschreckende Variante eines modernen Personalmangements, wenn man sich auf diese Weise von Andersdenkenden befreien möchte.

Eigentlich sollte es in einem modernen, global-agierenden und zukunftsorientierten Unternehmen selbstverständlich sein, dass man die kritische Auseinandersetzung mit sich selbst, als Unternehmen, sucht. Auf diese Weise kann man die Meinung seines Gegenübers besser verstehen und ist eher zu Kompromissen bereit. Dass dies nicht geschieht kann man daran sehen, dass Amazon nie zu Gesprächen mit der Dienstleistungsgewerkschaft Ver.Di bereit gewesen ist und diese immer strikt abgelehnt hat, wie jüngst in Werne.


Manipulation der öffentlichen Wahrnehmung

Als ein zentraler Indikator für die Legitimität eines Streiks sind in der Presse sehr oft Angaben zur Anzahl der Streikenden angegeben, die scheinbar in keinem gerechtfertigten Verhältnis zur Unternehmensgröße des jeweiligen Standortes steht. Das lässt sich zum einen damit erklären, dass viele Mitarbeiter befristet angestellt sind und Angst davor haben nicht weiterbeschäftigt zu werden, wenn man sich am Streik beteiligt, sobald der Vertrag abgelaufen ist. Auch wenn man sich die Zahlen von Festangestellten betrachtet scheint sich hier ein Ungleichgewicht abzuzeichnen, dass aber einfach damit zu erklären ist, dass in der Zahl der Festangestellten alle Manager, Führungskräfte, Büroangestellte, usw. zusammengefasst sind, die mit den alltäglichen Problemen eines Level 1 Versandmitarbeiters nichts zu tun haben bzw. nichts zu tun haben wollen. Auch finden sich in mancher Berichterstattung Stimmen, die wider die Ziele der Streikenden sind und scheinbar von einfachen Versandmitarbeitern stammen. Dabei handelt es sich zum Teil um Meinungen aus der Führungsebene.

Bei der Einstellung von neuem Versandpersonal liegt ein Hauptaugenmerk darauf, möglichst Mitarbeiter aus sozialen Schichten einzustellen, welche aufgrund ihrer wirtschaftlichen Lage niemals eine kritische Haltung zum Arbeitgeber einnehmen würden. Dies erklärt die restlichen Mitarbeiter die nicht vor den Toren stehen, wenn die Arbeitgebervertretung dazu aufruft. Wenn zudem die Politik keinerlei Rahmenbedingen dafür bietet, zumindest einen Inflationsausgleich zu erwirken, muss man selbst aktiv werden. Ansonsten braucht man sich nicht zu wundern, wenn das soziale Gefälle innerhalb einer Gesellschaft immer größer wird.

Auf die oben beschriebe Weise nutzt Amazon die sich bietenden Möglichkeiten aus, das Denken seiner Mitarbeiter in die von ihm gewünschte Richtung zu forcieren ohne auf die Bedürfnisse seiner Angestellten eingehen zu müssen.

Crissy

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  • Unwahr

    Weshalb werden Menschen, die gern bei Amazon arbeiten und nicht auf ver.di Kurs sind einfach beleidigt und als "Ja.sager" diffamiert ? Lässt ver.di keine andere Meinung als die eigene zu und möchte mit dieser Pöbelei Unfrieden unter den Mitarbeitern stiften ? Derartige Verleumdungen sind einer Demokratie nicht zuträglich und erinnern eher an kommunistische oder nationalsozialistische Propanganda mit dem Ziel, berechtigte Kritik auszuschalten. Undemokratisch, skandalös und beleidigend. Fast wie zu DDR-Zeitem under der Diktatur der SED.

    Kommentar von: tobias derne - 19.09.2014, 14:36
  • böse ver.di

    aber auch, nee wirklich sowas geht ja gar nicht :-)
    Oh Gott, bitte wirf Hirn vom Himmel - lol

    Kommentar von: Pfingstochse - 19.09.2014, 17:21
  • Wenn der Chef ein Idiot ist

    http://www.sueddeutsche.de/karriere/frust-am-arbeitsplatz-wenn-der-chef-ein-idiot-ist-1.1316935

    schöner Artikel, trifft in einigen Punkten ins Schwarze, oder?

    Kommentar von: Pfingstochse - 20.09.2014, 01:36
  • Standard work, standard life?

    Ich kann dem Artikel nur absolut zustimmen. Es ist immer wieder verwundernd wie dieses Unternehmen mit seinen Mitarbeitern umgeht, dabei wird selbständiges Denken und kritische Auseinandersetzung mit dem Arbeitsumfeld einem absolutistischen, internationalen Standard geopfert. Abweichungen können nicht toleriert werden, schließlich könnten sie den Produktivitätskennzahlen abträglich sein, welche ja seither der heilige Gral von Jeff sind (natürlich nur, damit der Preis für den gottgleichen Kunden möglichst niedrig bleibt und nicht wegen der Maximierung des Investitionsvolumens). Ein anderes Thema ist die prätentiöse Außendarstellung von Amazon. Eine Mischung aus „Brot und Spielen“ und etwas „Corporate Responsibility“, also einer positiven Darstellung des sozialen Engagements des Unternehmens, gibt dem Ganzen einen sooo schönen Anstrich, schließlich gibt es Kindles für eine ganze Schulklasse und Geld für ein Kinderhospiz. Natürlich könnte man sich auch gar nicht engagieren und ich finde es gut, dass überhaupt etwas von Unternehmensseite getan wird, jedoch hat es den faden Beigeschmack der maximalen Selbstdarstellung bei wenig Einsatz, nach dem Motto: Tue gutes und rede darüber. So genug „gehated“ für heute, es wird Zeit mal drüber nachzudenken wie viel Netto von den paar tausend Euro Handgeld beim freiwilligen Ausscheiden übrig bleibt, wenn ich „Das Angebot“ annehmen sollte. In diesem Sinne ein frohes „Standard Work“! ;-)

    Kommentar von: Kostengünstige Arbeitskraft - 21.09.2014, 11:55
  • @Kostengünstige Arbeitskraft

    Du darfst auf keinen Fall "Das Angebot" für das freiwillige Ausscheiden annehmen! Damit untergräbst du die Gewerkschafts-Ambitionen. Für die Gewerkschaft zählt schließlich der Mensch, Selbstdarstellung und Manipulation spielen dabei keine Rolle.

    Aber du musst unbedingt, wie es sich auch in anderen Betrieben mit Verdi-Tarifvertrag gehört, gehen ohne ein Handgeld. Es ist doch unfair einem Mitarbeiter den Gang zu einem passenderen Mitarbeiter zu erleichtern, indem man ihm eine Abfindung bezahlt. Das ist unmoralisch! Also: kündige und verzichte freiwillig auf das Geld. Nur so kannst du etwas ändern und Verdi helfen! Verdi möchte nur dein Bestes!

    Kommentar von: Tim - 22.09.2014, 08:59
  • @Tim

    Lieber Tim,
    diese Argumentation ist ja wirklich selten blöd. Es geht nicht darum. dass Amazon Abfindungen zahlt - das ist ja fast anständig. Es geht aber darum, dass Amazon gezielt unbequeme Mitarbeiter aus dem Unternehmen u.a. durch Abfindungen rausdrängt, um so eine völlig angepasste, kritik- und widerstandslose Belegschaft zu bekommen. Wenn Du das gut findest, dann lass die Bosse von Amazon doch weiter für Dich denken.

    Kommentar von: staatsbuerger - 22.09.2014, 13:45
  • gute arbeit viele geld

    In meine heimat muss viel Arbeit für ganze wenige Geld. Jetz habe genug für auto und wohnung. Arbeit nicht schwer. Danke Amazon

    Kommentar von: Abdul alhazred - 22.09.2014, 17:58
  • gute Arbeit viel Geld

    die Löhne richten sich in der Regel nach den Lebenshaltungskosten und die sind in diesem Land hoch. Sei froh darüber, dass es in Deutschland ein Grundgesetz gibt, welches Menschen nicht unwürdig behandelt. Gesetze macht der Staat und nicht Amazon - alles klar?

    Kommentar von: Sommerloch - 23.09.2014, 05:54
  • Nehme alles zurück

    Ich habe mich nun intensiv mit allem befasst und von dem finnischen Gewerschaftswissenschaftler Thule Kämmölieren beraten lassen. Der Mann hat mich mit seinem berühmten Buch "Han juo kakhvia, taivias on sininem" absolut davon überzeugt, dass ver.di falsch liegt. Auch der Politiker Küvii Tatamäkki sagt hierzu: "Ruhoho on vikrääm". Diesen Satz muss man sich mal so richtig durch den Kopf gehen lassen. Absolut überzeugend. Nach dieser Lektüre machen sie einen großen Bogen um die Gewerkschaften.

    Kommentar von: Pfingstochse - 23.09.2014, 10:49
  • Nehme alles zurück

    Der Arbeitspädagoge Kotje van Melle sagte: "Ik was me, zij wast zich"oder auch:" ze vervelen elkaar." Das hat mir die Augen geöffnet. Ebenso war der Satz von dem Autor Piisje van Dröppelen wegweisend. Er sagte: "Die loopt U heeft tenminste seker." Diese Kritik hat mich wachgerüttelt.

    Kommentar von: Sommerloch - 23.09.2014, 10:57
  • @ Tim

    Danke für diesen Vorschlag, das werde ich genauso machen! Es kann ja nicht sein, dass ich durch die Abfindung Kosten verursache, die deinen Arbeitsplatz gefährden. Damit du dich selber vor solchen Rationalisierungsmaßnahmen schützen kannst, schlage ich dir folgendes vor: Auf inflationsausgleichende Lohnerhöhungen verzichten, evtl. gezahltes Weihnachtsgeld zurückgeben, bloß keine Widerworte vor höheren Joblevels, täglich 5 Mal gen Seattle beten und vor allem die Mitarbeiteraktien an Amazon oder Jeff überschreiben lassen, damit du nie in die ambivalente Situation kommst Nutznießer von Kurssteigerungen und gleichzeitig abträglicher Kostenfaktor zu sein.

    Kommentar von: Kostengünstige Arbeitskraft - 23.09.2014, 11:10
  • Nehme alles zurück

    Ich habe mich als Kind nie an Regeln gehalten und habe Eltern und Lehrern ins Gesicht gespuckt. So wurde ich zu dem, was ich heute bin und darauf bin ich stolz. Ich habe ein Recht auf Lebensunterhalt ohne Arbeit und darauf bestehe ich . Wenn ich arbeiten muss mache ich Stress bis ich gefeuert werde und zieh dann wieder ALG

    Kommentar von: Kostengünstige Arbeitskraft - 23.09.2014, 11:20
  • Sommerloch Plagiat

    @Sommerlochplagiat, ik hab dat nie gesacht! Ver.di gut - Amazon nix gut

    Kommentar von: Kotje van Melle - 24.09.2014, 05:06
  • nehme alles zurück

    mein letzter Kommentar wurde in einem Zustand gestriger Umnachtung verfasst und ist daher zu ignorieren. Es wohl vielmehr so dass Amazon glaubt auf diesem Weg die Aktionen stören zu können- lächerlich

    Kommentar von: Pfingstochse - 24.09.2014, 05:10
  • Zweischneidiges Schwert

    Der Kommentar zeigt, wie Aspekte immer von zwei Seiten gesehen werden können.
    Abfindungen können als "hier bitte, geh und halt die Klappe"-Zahlung angesehen werden oder als günstige Möglichkeit, eine Arbeit zu verlassen und dafür noch Geld zu erhalten, wenn man sowieso gehen möchte.

    Die Beschäftigung der "sozialen Schichten, die auf Grund der wirtschaftlichen Lage still bleiben" kann insofern bei den Stundenlöhnen, die gezahlt werden, ggf. sogar als positiv angesehen werden da sie oft für die Leute die Möglichkeit bieten, wieder erwerbstätig zu werden und sogar in den Genuss von Zusatzleistungen zu kommen, was nicht selbstverständlich ist.

    Mir fehlt bei dem Thema eine sachliche Auseinandersetzung, die das Ganze mal von beiden Seiten beleuchtet, ohne z.B. auf "jeder, der Amazon nicht verteufelt, ist gekauft oder aber mundtot gemacht worden" zurückzugreifen. Die mangelnde Kritikfähigkeit, die Amazon vorgeworfen wird, ist ja auch bei ver.di anzutreffen. Wenn z.B. die Anstellung von Saisonkräften per se verteufelt wird, dann ist dies realitätsfern. Und wenn Kündigungen und Beendigungen von Fristverträgen, wie zu Weihnachten geschehen, gleichbehandelt werden, ist dies kontraproduktiv.

    Kommentar von: twister - 25.09.2014, 08:56
  • Nunja, die PM zu Ende des Weihnachtsgeschäfts fand ich auch nicht so gelungen. Aber gegen Saisonkräfte hat auch ver.di prinzipiell erstmal nichts. Kritikpunkt ist, dass auch außerhalb der Saisons befristete Verträge genutzt werden, obwohl es keinen Sachgrund dafür gibt. Hier hat das Vorgehen nichts mit Auftragsspitzen zu tun, sondern soll nur die Arbeiter unter Druck setzen, die auf Verlängerung hoffen.

    Und bei den Saisonkräften wäre eben bessere Planbarkeit gut. Die werden oft bis ein oder zwei Tage vor Vertragsende im Unklaren gelassen, ob es eine Verlängerung gibt.

    Kommentar von: Fisch - 25.09.2014, 09:23
  • Wenn Leute fürs Weihnachtsgeschäft eingestellt werden, handelt es sich um Saisonkräfte. (Ob eine Einstellung im JUNI mit Vertragslaufzeit bis Jahresende schon als "Saison" bezeichnet werden kann, steht auf einem anderen Blatt).

    Wenn diese Saisonkräfte dann am Jahresende eine zwölfmonatige Vertragsverlängerung erhalten, greift hier die Argumentation "Saison" nicht mehr. Ja, die Vertragsverlängerung endet mit der nächsten Weihnachtssaison, aber was ist mit den zehn bis elf Monaten davor? Welche Saison dauert ein Jahr?

    Wenn eben diese Mitarbeiter dann am Ende der zweiten Weihnachtssaison erneut eine befristete Vertragsverlängerung erhalten, und zwar diesmal bis kurz vor Ablauf der zwei Jahre, nach denen laut Teilzeit- und Befristungsgesetz von einem unbefristeten beschäftigungsverhältnis auszugehen wäre, dann dürfte auch dem blauäugigsten Amazon-Versteher zumindest klar sein, dass hier mittels befristeten Kettenverträgen darauf abgezielt wird, die Probezeit faktisch auf beinahe zwei Jahre zu verlängern.

    Kommentar von: Ruhrpott - 25.09.2014, 09:50
  • Regelungen zur Befristung

    Nach aktuellen Informationen von Lü Peng handelt es sich um Kettenbefristungen ohne Glieder, wenn der Veluxklöppel unkontrollierte Verwendung beim Tautalanei Wusisiko findet. Ansonsten gilt nach Gfz 94/2014 §§ 288 - 4158 die Neuregelung der Köttels-Geweg aus dem Jahr 1482, Neufassung 2011 der europäischen Vereinigung ex Kopularedohaduwu Gallus Imperium Phallus. Diese Änderungen bleiben bis zur Neuregelung der veralteten Innovationen rechtskräftig ohne imperialistiche Föderalismusreform. Sofern der Veluxklöppel mitspielt. So.

    Kommentar von: Ruhrpott - 25.09.2014, 11:54
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