Amazon ist der Meinung, dass seine Mitarbeiter in den Versandzentren gut bezahlt würden. Ob das wirklich so stimmt und was im Alter davon bleibt möchte ich im Folgenden kurz erörtern.


Das Lohnmodell Amazons im Vergleich zum bundesdeutschen Durchschnitt

Nur weil eine Tätigkeit keine geistig hohen Anforderungen an den Mitarbeiter stellt, wird dies oft als Rechtfertigung für eine niedrigere Bezahlung genommen. Dafür ist die Arbeit allerdings körperlich anstrengend und die Begründung von geistiger Anspruchslosigkeit ungenügend. Diese Tätigkeit legt auch den Grundstein für den Erfolg von Amazon. Schauen wir uns die offiziellen Statistiken des Durchschnittseinkommens in Deutschland an. Da sehen wir, dass das durchschnittliche Einkommen bei 31.089€ im Jahr 2013 gelegen hat. Somit zahlt Amazon seinen Mitarbeitern rund ein Drittel (ca. 31%) weniger Lohn als der Durchschnittsdeutsche verdient. Zugrunde gelegt habe ich dabei die offiziellen Angaben des Unternehmens. Bei 10,67€ Stundenlohn und einer monatlichen Arbeitszeit von 168 Stunden kommt man auf ein Monatsgehalt von 1792,56€ das macht ein Jahresgehalt in Höhe von 21.510,72€.

Somit stimmt auch die Angabe von einem gerundeten Monatsgehalt von 2.000€ nicht. Das würde eine Bonuszahlung von ca. 200€ voraussetzen. Die Bonuszahlungen dieses Jahres lagen in Leipzig meistens zwischen 1% und 3% des monatlichen Nettoeinkommens (Stand für November 2014: 0%). Damit kommt man nicht annähernd auf 2.000€ Brutto, aber das nur am Rande.

Mit diesem Lohnmodell gilt man gerade einmal so nicht als Geringverdiener. „Die Schwelle für eine Tätigkeit als Geringverdiener liegt im Durchschnitt bei weniger als zwei Dritteln des mittleren, eigentlich üblichen Lohns. Dann kann schon ein monatlicher Verdienst von in etwa 1000 Euro im Monat bzw. ca. 9 Euro pro Stunde einen Geringverdiener erzeugen.“ (Quelle: www.gehalt.de).


Was wird im Alter?

Die Berechnung für seine persönlichen Rentenansprüche muss jeder Beitragszahler selbst vornehmen. Als Faustregel gilt jedoch, dass man bei 45 Beitragsjahren 70% seines Nettoverdienstes als Rente bekommt. Nehmen wir also als Beispiel an, dass ein Amazon Mitarbeiter 45 Jahre im Unternehmen tätig ist und legen die Steuerklasse 1 für seinen Nettoverdienst zugrunde. Somit würde ihm eine Rente von 904€ zustehen. Damit läge er dann unter der Grenze eines Geringverdieners und nach Abzug der Miete würde er knapp über dem Niveau von Hartz-IV liegen. Nehmen wir an, dass der Mitarbeiter 400€ Warmmiete monatlich zu zahlen hat, bleiben ihm zum Leben noch rund 500€. Das sind knapp 100€ mehr als Hartz-IV und das nach 45 Jahren Arbeit.

Lohnerhöhungen habe ich in meinen Berechnungen herausgelassen, da diese nach Abzug der Inflationsrate kaum noch ins Gewicht fallen.

Berücksichtigt man die Umsatzzahlen Amazons Umsatz von weltweit ca. 75 Milliarden Dollar, davon erwirtschaftete Amazon Deutschland ca. 10,5 Mrd. Dollar, und stellt sie dem Arbeiter gegenüber, der diesen Umsatz miterwirtschaftet hat und sich auf Altersarmut einstellen darf, dann sehen wir wie rücksichtslos der weltweit größte Versandhändler wirklich mit seinen Mitarbeitern umgeht. Deswegen ist es auch nur richtig und fair für einen Tarifvertrag zu kämpfen, damit die Mitarbeiter wirklich am Erfolg des Unternehmens beteiligt werden.

Crissy

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  • Ich bleibe ja dabei... die Höhe des Lohns an sich ist nicht das Hauptproblem. Mir geht's beim Tarifvertrag um das große Ganze, Dinge wie ein anständiges Weihnachtsgeld, Urlaubsgeld, mehr Urlaubstage sowie ganz allgemein ein Bekenntnis zum Standort Deutschland durch Verhandlungen auf Augenhöhe.

    Und nicht wie bisher ein rücksichtsloser Import amerikanischer Unternehmenskultur.

    Kommentar von: TheRealRuhrpott - 19.11.2014, 19:19
  • öhmmm

    "Amerikanische Unternehmenskultur" - das doch schonmal ein Wiederspruch in sich und klingt viel zu harmlos, ja schon fast verniedlicht zu dem, was es alles beinhaltet.
    Soziale Verantwortung ist ein unbekannter, nicht existierender Faktor aller US-Unternehmen.......dies auch noch mit dem Wort "Kultur" zu adeln......nee, geht ja gar nicht :D

    Greets

    Kommentar von: Alfred Tetzlaff - 19.11.2014, 21:54
  • Altersarmut

    Im Übrigen geht es auch um die "krankhafte Kontrollwut" dieses Unternehmens, die wohl in Deutschland einzigartig ist. Wer es psychisch überhaupt bis zur Rente durchhält, den erwartet dann ein Leben auf Sozialhilfe Niveau. Ich kann jedem nur raten mal in sich zu gehen und sich ggf. einen neuen Wirkungskreis suchen.
    Stasi Zeiten und Denunziantentum sollten ebenfalls endlich der Vergangenheit angehören!
    Die einzige Alternative hier etwas zu verändern, ist der Kampf um einen Tarifvertrag.
    Streikbrecher sind auch heute noch das Letzte.....

    Kommentar von: Batmann - 20.11.2014, 17:57
  • Oh hey, Willkommen zurück, lange nicht gesehen. Hatte mir schon Sorgen gemacht. :-)

    Kommentar von: TheRealRuhrpott - 20.11.2014, 22:44
  • ebenso, endlich wieder idiotenfrei hier...
    Die Spinner können gern im Logistik Blog rumschleimen
    :-)

    Kommentar von: Batmann - 21.11.2014, 17:26
  • der lohn bei amazon leipzig (übrigens 11,32euro und nicht 10,67euro) ist für die dort geleistete arbeit angemessen. mit tarifvertrag einzelhandel wären es übrigens nur ein paar cent mehr pro stunde und man müsste im alter trotzdem noch grundsicherung beantragen müssen. selbst ein jetziger stundenlohn von 13...14 oder 15euro würde nix an der zukünftigen altersarmut ändern, da gerade hier im osten sehr viele, durch lange zeiten ohne eine berufliche tätigkeit, unterbrochene erwerbsbiografien haben. und wenn ver.di weiter so macht, dann wird der standort hier in leipzig eh geschlossen!

    pro amazon und zwar ohne ver.di!!!

    PS: ist der 8.12. als streikbeginn hier in leipzig eigentlich noch aktuell? ihr wollt doch bis weihnachten durch streiken oder? werdet ihr wieder hunderte betriebsfremde rankarren, weil kaum ein amazon-mitarbeiter lust auf streik hat? fragen über fragen... ;-)

    Kommentar von: urmel - 22.11.2014, 21:31
  • idiotenfrei?

    hab mich wohl geirrt :-)

    Kommentar von: Batmann - 23.11.2014, 06:01
  • Faktencheck

    vielleicht sollte hier mal eine Art Faktencheck gegen nachweislich falsche oder hetzerische Kommentare einführt werden. Damit könnten dann die Heuchler, die auf diesem Weg versuchen Unwissende zu irritieren, entlarvt werden. Richtige Darstellungen sind natürlich von allen erbeten, alles andere macht nur unglaubwürdig!
    Bitte mal drüber nachdenken. Konstruktive Vorschläge sind willkommen.

    schönen Sonntag

    Kommentar von: Batmann - 23.11.2014, 10:32
  • Manchmal kommen sie wieder...

    Hach ja, die angeblich herangekarrten Betriebsfremden.

    In Werne wurden beim letzten Streik ja auch angeblich Mitarbeiter aus anderen FCs herangekarrt, um den Streik "größer" aussehen zu lassen.

    Seltsamerweise befanden sich die Kollegen aus Werne zur selben Zeit gerade auf einem Solidaritätsbesuch in Rheinberg. Haben sich die Leute jetzt geklont? Sind Doppelgänger von mir an anderen Standorten unterwegs? Fragen über Fragen...

    Aber vielleicht, VIELLEICHT kann es auch sein, dass der eine oder andere "Pro-Amazon"-Scheuklappenträger einfach nicht alle Kollegen an seinem Standort, insbesondere diejenigen aus der Partnerschicht, kennt... Ich habe bei unseren Streiks auch viele Leute das erste Mal gesehen. Später sind mir dieselben Gesichter dann auch auf der Fläche aufgefallen. Waren halt aus anderen Abteilungen oder der anderen Schicht. Passiert.

    Kommentar von: TheRealRuhrpott - 23.11.2014, 11:54
  • @TheRealRuhrpott: tja, is nun mal leider traurige realität hier in leipzig aber ich weiß, ihr *** glaubt natürlich nur eurer *** bzw euren ver.di-anhängern. hier in leipzig werden schon seit 2013 zu allen streiks betriebsfremde rangekarrt. das sind teilweise weit über 100 leute vom streik soli leipzig, studenten und linke gruppierungen, die gegen den kapitalismus sind. die stehen dann hier vor dem amazon-tor und spielen für die medien und ver.di den unzufriedenen und streikfreudigen amazon-mitarbeiter, während die wahren amazon-mitarbeiter über das ver.di-kasperletheater nur den kopf schüttelt und arbeiten geht! die medien haben hier schon mehrfach darüber berichtet...ist also keine erfindung von mir.


    Die mit *** gekennzeichnete Stelle wurde vom Administrator unkenntlich gemacht, da diese eine unangemessene, beleidigende oder anderweitig anstößige Äußerung enthalten hat.

    Kommentar von: urmel - 23.11.2014, 13:04
  • "die medien haben hier schon mehrfach darüber berichtet"

    Quelle?

    Ich habe gesucht, und alles, was ich gefunden habe, waren Kommentare von Nutzern, die zum Teil ebenfalls unter dem Namen "urmel" posten, in denen genau diese Behauptungen aufgestellt wurden.

    Merke: Nur weil Einzelpersonen quer durchs Internet immer wieder dieselben Behauptungen aufstellen, wird daraus noch lange keine mediale Berichterstattung.

    Kommentar von: TheRealRuhrpott - 23.11.2014, 14:28
  • Jo, in Leipzig gibt es auch Unterstützer des Streiks die anwesend sind. Die machen das freiwillig aus Solidarität, also wo ist das Problem.

    Was du hier versuchst ist, es so darzustellen als würde ver.di bezahlte Leute rankarren und unter den Amazon-Beschäftigten überhaupt niemand streiken. Das stimmt nicht und passt in deine sonstige manipulative Schreibweise. Niemand von ver.di hat je behauptet dass die Mehrheit streiken würde. Es sind deutschlandweit trotzdem fast 2000 Streikende gewesen. Das hat selbst die Amazon-Geschäftsleitung zugegeben, also spar dir deine durchschaubaren Versuche den Streik auf ein paar Dutzend Leute kleinzureden.

    Kommentar von: Fisch - 23.11.2014, 16:51
  • ich habe nix von bezahlten leuten geschrieben und beim streik am 18.10. (samstag) zum beispiel waren gerade mal um die 20 leute hier aber noch groß rumtönen: wir streiken bis zum ende der spätschicht! was war? nach einer stunde sind sie wieder nach hause gegangen.

    beim streik am 27.10. waren hier 340 streikende (beide schichten zusammen). das wurde dann von tag zu tag weniger. dabei hatte ver.di letztes jahr noch große töne gespuckt hat: wir haben schon über 700 mitglieder hier in leipzig und es werden immer mehr! aber nicht mal die hälfte kann man mobilisieren!?

    Kommentar von: urmel - 23.11.2014, 17:06
  • "Streik" bedeutet in allererster Linie, nicht zur Arbeit zu erscheinen. Es gibt kine Verpflichtung, täglich 7,75 Stunden vorm Tor auszuharren.

    Das mag dir vielleicht blöd vorkommen, ist aber so. Sicher, mir wäre es auch lieber, wenn gerade zum Schichtwechsel immer sämtliche Streikteilnehmer draußen stehen würden, aber man kann niemanden dazu verpflichten.

    Wer meint, den Streikenden erzählen zu müssen, wie sie zu streiken haben, sich aber selbst noch nie an einem Streik beteiligt hat, der hat den Schuss noch nicht gehört.

    Kommentar von: TheRealRuhrpott - 23.11.2014, 18:16
  • Die Streikbeteiligung muss selbstverständlich besser werden. Aber auch hier stellst du die Zahlen wieder manipulativ dar. Wenn es 700 ver.di-Mitglieder gibt, dann sind davon viele auch gerade in Urlaub oder krank (v.a. bei Amazon).

    Solche Formulierungen von "wahren amazon-mitarbeitern", "die über das ver.di-kasperletheater nur den kopf schütteln" kannst du dir auch sparen. Die Streikenden sind genauso Mitarbeiter; dafür muss man nicht die Geschäftsleitung dreimal am Tag anbeten.

    Kommentar von: Fisch - 23.11.2014, 21:18
  • Entweder wir bekommen ein Tarifvertrag oder wir gehen mit diesen Streikbrechern komplett unter.

    Ein unternehmen der einen Umsatz von ca.80 Mrd. € / Jahr (Tendenz steigend/Jahr) macht und seine Mitarbeiter nicht an Gewinn beteiligt sollte nicht über angemessene Gehalt labern.

    400 € Weihnachtsgeld ist für mich Diskriminierung,
    VW zahlt seine Mitarbeitern 8.200 € Prämie/Jahr.
    Ein Amazonier muss nur für die PRÄMIE was ein VW Mitarbeiter bekommt ca. 5 Monate arbeiten.

    Also macht mit,nur gemeinsam schaffen wir ein Tarifvertrag.

    Kommentar von: FireFree - 23.11.2014, 23:12
  • Altersarmut

    Da liegt bei Dir wohl ein Rechenfehler vor, meines Wissens liegt der Lohn bei 11,33€ und nicht bei 10,67€. Dann weis ich nicht ob Du die Höhe von Harz4 kennst. Wenn Du bei 905€ minus der Miete knapp über den Harz4 Satz liegst mußt Du eine Luxus/Eigentumswohnung haben. Ich bekomme 620€ Harz4 und muß davon auch die Miete bezahlen. Das sind rund 300€ weniger.
    Zu Fisch,
    Ich bin als Saisonkraft kein Streikbrecher, will nur zu Weihnachten was dazu verdienen. Da fast die Hälfte die zur Zeit bei Amazon arbeiten nur für das Weihnachtsgeschäft da sind, sind das alles Streikbrecher? Zuerst soll doch erst mal die Stammbelegschaft zusammenhalten bevor ich von Streikbrechern rede.
    Im übrigen kann sich Verdi auch mal um menschenwürdige Löhne bei der Leiharbeit kümmern. Die gehen mit Hunger-"Tariflöhnen" nach hause und jammern nicht.

    Kommentar von: die Saisonkraft - 24.11.2014, 09:48
  • @Saisonkraft: Das habe ich nicht geschrieben sondern jemand anderes. Per Definition wärst du in dem Fall zwar ein Streikbrecher, ich würde dir als Saisonkraft aber dafür keinen großen Vorwurf machen. Falls du auf eine Festanstellung hoffst, sind die Chancen auf Übernahme aber ziemlich gering; unabhängig vom Streik.

    Die Leiharbeiter "jammern" übrigens genauso, denn da sind die Tariflöhne tatsächlich nicht so toll. Leider sind Leiharbeiter nicht so gut organisiert und haben es strukturell bedingt schwerer zu streiken.

    Kommentar von: Fisch - 24.11.2014, 11:36
  • Wie sieht es eigentlich rein theoretisch mit dem Streikgeld für Saisonkräfte aus? Wenn man vorher arbeitslos war oder Student ist, dann hat man vorher ja nur einen sehr geringen Gewerkschaftsbeitrag gezahlt. Wenn das Streikgeld auf dieser Grundlage berechnet wird, dann kann ich schon verstehen dass Saisonkräfte nicht mitstreiken. Die würden ja dann quasi keinerlei Lohnersatzleistung bekommen.

    Kommentar von: Fisch - 24.11.2014, 11:40
  • Eventuell gibt es noch Unklarheiten zur Beschaffenheit der Artikel. Die farblich hervorgehobenen Stellen sind weiterführende Links.

    Im Artikel kommt vor "offiziellen Angaben des Unternehmens". Klickt man darauf gelangt man auf den von Amazon betriebene Logistikblog. Dort findet man die Angabe von einem Stundenlohn von 10,36€.
    Wenn du wirklich eine Saisonkraft bist müsstest du das auch verdienen.

    Eine Warmmiete für eine 2-Raum-Wohnung für 400€ ist in Leipzig normal und dafür bekommt man keine Luxuswohnung.

    Das Thema der Leiharbeiter wird von Verdi immer wieder angesprochen. Das geschieht z.T. auch hier im Blog, hier werden jedoch sämtliche Problematiken angesprochen die Amazon betreffen. Wen dieses Thema interessiert kann sich dazu auch auf verdi.de informieren.

    Kommentar von: Crissy - 24.11.2014, 15:56
  • Ich bin mir nicht ganz sicher, aber ich vermute mal, es besteht genau wie bei Neumitgliedern die Möglichkeit, rückwirkend Beiträge zu zahlen, um auf diese Weise sofort Anspruch auf volles Streikgeld zu erlangen.

    Übrigens haben sich an unseren Streiks auch schon Saisonkräfte beteiligt. Würde ich zwar prinzipiell niemandem empfehlen, aber einige der betroffenen Kollegen sind da ganz pragmatisch und begründen es so: "Wer garantiert mir denn, dass ich eine Verlängerung bekomme, wenn ich nicht streike?"

    Kommentar von: TheRealRuhrpott - 24.11.2014, 22:01
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(C) 2014 ver.di - Fachbereich Handelzuletzt aktualisiert: 06.04.2019