Amazon und die Methoden des Union Busting II

Gezieltes Mobbing als Strategie gegen den Streik

Dem Unternehmen Amazon wird vorgeworfen, eine gewerkschaftsfeindliche Haltung einzunehmen. Diese Haltung bekommen Angestellte in ihrem Arbeitsalltag immer wieder zu spüren. Dabei unterscheidet das Unternehmen zwischen den Mitarbeitern und teilt sie in Gruppen ein. Es wird beispielsweise unterschieden zwischen Nichtstreikenden, Streikenden, Vertrauensleuten der Gewerkschaft und Betriebsratsmitgliedern. Nach der Zugehörigkeit zu einer dieser Gruppen richtet der Umgang von Vorgesetzten mit dem jeweiligen Mitarbeiter. Die einzelnen Gruppen lassen sich auch noch weiter unterteilen - so kann die Gruppe der Nichtstreikenden unterteilt werden in Gewerkschaftsgegner, Unentschlossene und stille Befürworter. Bei den Betriebsratsmitgliedern unterscheidet man danach, auf welcher Liste man sich bei den Wahlen befunden hat, ob Gewerkschaftsliste oder nicht. Bei Streikenden bzw. Vertrauensleuten wird unterschieden, inwieweit sie Kritik am Unternehmen nach innen und außen äußern.

Durch diese Zergliederung der Belegschaft lassen sich Mitarbeiter hervorragend gegeneinander ausspielen. Das fängt beim Gewähren von Urlaub an und setzt sich bei der Einteilung zur Arbeit fort. So werden aktiven Gewerkschaftern beispielsweise immer wieder die unangenehmsten bzw. unbeliebtesten Aufgaben zugeteilt. Oder diese werden für stets dieselben monotonen Aufgaben eingeteilt, ohne die Möglichkeit zu haben, etwas Abwechslung in den Arbeitstag zu bringen. Diese Monotonie führt zum einen zu körperlichen Beschwerden durch einseitige Belastung. Das lässt sich auch am Krankenstand ablesen. Demnach sind im jährlichen Mittel 20 bis 25 Prozent der Mitarbeiter als „krank“ gemeldet.

Zum anderen hat die Zuteilung von zu monotonen Aufgaben das Ziel, den Mitarbeitern die Motivation für den Job zu nehmen, damit sie schlussendlich die Kündigung einreichen. Dann wäre wieder eine Stelle offen, die man auf zwei Jahre befristen kann. Kündigt der Mitarbeiter nicht, wird ihm das zum Teil von Vorgesetzten und Personalabteilung nahegelegt.

Als Folge dessen sinkt die Arbeitsleistung, die sich nach Stückzahlen berechnet, im Gegensatz zu anderen Mitarbeitern. Die eingangs beschriebene Kategorisierung von Mitarbeitern erlaubt dem Amazon-Management nun einen Vergleich zwischen der Arbeitsleistung von Streikenden und der von Nichtstreikenden. Dabei werden Streikende als „Minderleister“ abgestempelt. Hierbei kommt auch ein Computer-Programm zum Einsatz, das von Vorgesetzten und ausgewählten Mitarbeitern genutzt wird. Dieses Programm soll die Arbeitsleistung dokumentieren. Es kommt aber häufig vor, dass dieses Programm missbraucht wird, um Streikende und Vertrauensleute zu diskreditieren und innerbetrieblich bloßzustellen.

Weiterhin werden vor allem Vertrauensleute durch vorsätzliche falsche Behauptungen unter Druck gesetzt. Dabei wird den betroffenen Personen vorgeworfen, unrechtmäßig lange, nichtproduktive Zeiten zu haben oder Arbeitsverweigerung zu begehen. Der Vorwurf der Unproduktivität fängt schon ab einer Zeit von einer Minute an. Auch gab es Fälle, in denen es den betreffenden Personen zur Last gelegt wurde, dass sie während der Arbeitszeit die Toiletten aufsuchen.

Durch zahlreiche Gespräche der Manager mit ihren Mitarbeitern ist bekannt, welche Personen in die jeweilige Kategorie einzuordnen sind. In weiteren Gesprächen mit Nichtstreikenden wird dann darauf verwiesen, dass an den Streiks nur „Minderleister“ und Arbeitsverweigerer teilnähmen und man doch nicht auch in diese Richtung eingeordnet werden wolle. Dabei wird an ein Ehrgefühl der Arbeitnehmerschaft und an deren Fleiß appelliert, damit es dem Mitarbeiter möglich wird, in irgendeiner Form auf die Streikenden herabzublicken. Ebenso kommt es vor, dass einigen Angestellten damit gedroht wird,dass sie „Privilegien“ verlieren oder sich die Planung von freien Tagen und Urlaub schwieriger gestalten kann, wenn man sich am Streik beteiligt.

Für Streikende ist es auch ungleich schwerer, an innerbetrieblichen Weiterbildungs- bzw. Trainingsmaßnahmen teilzunehmen. Hierbei geht der Arbeitgeber jedoch geschickt vor, indem er ein paar Ausnahmefälle an solchen Maßnahmen beteiligt, um den Vorwurf der Benachteiligung von Streikenden zu umgehen. Dies versetzt ihn in die Lage auf die wenigen Ausnahmen zu verweisen.

Dieses innerbetriebliche Verhalten seinen Angestellten gegenüber versucht Amazon mit Imagekampagnen aufzupolieren. Es zeigt aber gleichzeitig, dass das Unternehmen in Bezug auf seine Mitarbeiter kein demokratisches Verständnis besitzt.

Crissy

Für Anregungen, Meinungen und weitere Informationen zu den verschiedenen Themen könnt ihr mit dem Autor auf Twitter und Facebook kommunizieren:

Facebook: Crissy Libertas
Twitter: @CrissyLibertas


Vorschaubild von: https://de.fotolia.com/id/48276790

Dieser Artikel wurde bisher nicht kommentiert.
Diesen Artikel kommentieren >>
(C) 2014 ver.di - Fachbereich Handelzuletzt aktualisiert: 23.12.2016